Die WG – Top oder Flop?

An ihr scheiden sich die Gemüter. Die einen finden sie total toll, die anderen unglaublich doof. Es ist die Rede von: der Wohngemeinschaft. Auch einfach nur WG gennant. Die WG ist der Inbegriff des studentischen Wohnens. Der Auszug nach dem Abi heißt meistens Einzug in die WG. Oder ist das womöglich gar nicht mehr so? Ist die WG ein Relikt aus der Studienzeit unserer Eltern?  „Ach, war das toll damals! Wir haben die wildesten Parties gefeiert. Geschlafen habe ich auf einer Matratze vom Sperrmüll und meine Regale waren aus Bananenkartons“, höre ich meine Mutter sagen. Ihr Unterton verrät mir: „So komfortabel wie die Studenten heutzutage hatten wir es nicht. Heute ist alles von Ikea, tip top, nagelneu.“ Ja, stimmt. Die WGs von heute sehen anders aus. Und längst teilt sich nicht mehr jeder Student eine Wohnung mit seinen Kommilitonen.

Immer mehr Nachwuchsakademiker wählen die Single-Bude, ach nee sorry, das Einzelappartment oder die Einzimmerwohnung. Man/frau möchte seine Ruhe haben. Viel zu stressig dieses WG-Leben: Schlange vor dem Badezimmer, stapelweise Geschirr in der Spüle und Schimmel im Kühlschrank. Die 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks bestätigt diesen Trend zum Alleinewohnen: Die Studie hat ergeben, dass bundesweit zurzeit nur 29 Prozent der Studierenden in einer WG leben. Auch beim Studierendenwerk Essen-Duisburg ist das so. Viele Wohnheimbewerber wünschen sich ein Einzelappartment, die Wohngemeinschaften werden immer unbeliebter. Woran das liegt? Schuld ist vermutlich das Bachelor-/Mastersystem. Studieren ist stressiger geworden. Wer es in der Regelstudienzeit schaffen will, der kann die laute Musik des Mitbewohners nicht gebrauchen, denn er muss büffeln.

Klar, das Zusammenleben kann eine Herausforderung sein. Es braucht Regeln, Kommunikation und Einfühlungsvermögen, damit ein positives Miteinander gelingt. Die Mitarbeiter des Studierendenwerks, die sich um die Wohnheime kümmern, geben den Bewohnern manchmal sogar ein bisschen Nachhilfe. Dabei geht es dann meistens um Putzpläne und Lautstärkeregelungen, aber auch persönliche Konflikte werden thematisiert.
Das hätte ich damals in meiner ersten WG auch gebrauchen können. Obwohl eigentlich haben wir das alles ganz gut gemeistert: Vier Mädels waren wir, vier verschiedene Studiengänge, sehr unterschiedliche Charaktere. Gab es Reibereien? Ja. Ob wir alle Konflikte gelöst haben? Nein. Aber vielleicht gerade deswegen möchte ich meine WG-Zeit nicht missen. Ganz altklug gesagt: Nur so kann man etwas über sich und andere lernen. Und was sollte ich sonst später meinen Kindern erzählen?

Johanne

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