Wettbewerb zum Welttag der Poesie

Am 21. März 2015 wurde der Welttag der Poesie gefeiert. Zu diesem Anlass haben wir Studierende unserer Hochschulen gebeten, kreativ zu werden und ein Gedicht zu verfassen. Thema des Wettbewerbs war: „Studieren im Ruhrgebiet – Was macht das Studium im Pott besonders?“ Die schönsten Gedichte wollen wir euch nicht vorenthalten. Lest selbst!

Platz 1:  Laura Anderle und Kurosch Hourfar (2015)

Chronik einer angekündigten Flucht
oder
Woanders ist es auch scheiße

Endlich beginnt mein eigenes Leben.
Die Schule ist um, was kann’s schön’res geben?
Was soll ich studieren, wo zieht es mich hin?
Nach München, nach Heidelberg oder Berlin?
Und: Bio? KoMedia? Doch lieber Mathe,
wo ich in der Schule nur Einsen hatte?
Nur unter Vorbehalt wähl‘ ich die Zahlen.
Doch Ruhr? Schnell weg! Raus aus Nordrhein-Westfalen!
Oh Schreck, mein Konto sagt, ich sei bankrott!
Na gut, was soll’s… bleib ich halt im Pott.

Brutalismus in bunt, nicht alt und doch ranzig
Nur noch den Bachelor, ich halt‘ mich ran -zig
Jahre will ich hier nicht mehr versauern.
Das würd‘ ich den Rest meines Lebens bedauern
Zwischen Finkenkrug, Keksdosen, Zoo und der Rü
Ist jeder studentische Lifestyle perdü.
Zum Master geh‘ ich – hm, wohin eigentlich?
Es ist ja noch Zeit, morgen kümmer‘ ich mich.
Huch, schon fertig? Das ging aber flott!
Na gut, was soll’s… bleib ich halt im Pott.

Schon wieder versackt, man mag es kaum glauben –
In zwei Jahren darf ich mir das nicht erlauben!
Es hält sich nicht alles, was man so verspricht,
Doch länger zu bleiben – das geht einfach nicht!
Zur Promotion nach Madrid oder Bonn –
Hauptsache, etwas mit reputación.
Dann fragt mein Professor „Hey, hast du Lust
zu bleiben?“ Ich spar‘ mir Bewerbung und Frust.
Ertragen muss ich nur den beißenden Spott.
Na gut, was soll’s… bleib ich halt im Pott.

Das wärs mit der Uni – und was will ich nun
Womöglich sogar bis zur Rente noch tun?
Und wo soll ich hin, ich suche vergebens,
Nach dem Land, der Stadt, dem Ort meines Lebens.
Die Bayern in München war’n mir nie geheuer
Und Düsseldorf ist so spießig und teuer.
Kann mich nicht entscheiden – die Qual der Wahl!
Doch ich liebe das Rot von rostendem Stahl.
Soll ich wirklich hier weggeh’n? Oh nein! Oh Gott!
Na gut, ich bleib‘ hier… ich liebe den Pott.

Platz 2: Ferhat Kayabasi (2015)

POTT in 4, 3, 2, 1…

morgens in nem shuttle-bus
nüchtern zu nem campus
mittags einen schampus
abends zu viel intus

morgens auf zwei campi
während des jahres pi
mittags bei zwei scampi
abends zwei campari

morgens zu drei uhren
glück die bahnen fuhren
mittags drei klausuren
abends gleich drei kuren

mittags meist in ketten
abends in vier städten
party, nur die fetten
morgens in vier betten

Platz 3: Bernadine Bissing (2015)

Ungewolltes Ungewissen

Du hast es gewusst
Du hast es nicht gewollt

Ich hab es gewusst
Ich hab es nicht gekonnt

Was wollten wir?
Was hätten wir wollen können?

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