Ein Oldie unter den Lifts – der Paternoster

Eine Nachricht erschütterte mich in den letzten Wochen: Das Paternosterverbot! Wie kann es sein, dass dieses prickelnde Beförderungserlebnis meiner frühkindlichen Erinnerungen plötzlich gesetzlich untersagt sein soll?

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Foto: Uwe Köppen, Stadt Duisburg

Mensch Leute, ich war immer ein ängstliches Kind, auf der Kirmes war das Ponyreiten das höchste der Gefühle. Mehr Spannung ging nicht. Und dann war mir die Natur auch schon näher als das wilde Karussell. Aber selbst ich habe mich in den Paternoster getraut. Was heißt getraut, ich war ganz verrückt danach, den fand ich absolut spannend. Vielleicht hatte das ja auch mit der beschaulichen Geschwindigkeit zu tun.

Und in Duisburg hatte ich ja auch gleich mehrere Möglichkeiten, dieses Lieblingsgefährt kennen zu lernen und zu nutzen. Im Finanzamt zum Beispiel gibt es dieses wunderbare Beförderungsmittel auch heute noch. Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätten meine Eltern ruhig öfter die netten Leute dort besuchen können. Wollten sie aber irgendwie nicht. Heute verstehe ich das schon besser: Wer geht schon gerne ins Finanzamt.

Aber da gibt es ja auch noch die zweite Möglichkeit: Das Rathaus. Darf man da einfach so herein marschieren und in den Paternoster hüpfen? Ist ja schon eine seriöse Stätte und kein Platz zum Spielen. Aber wenn man dort etwas zu erledigen hat, dann ist das schon ok. Und wer sagt, dass diese Erledigung nicht im Sammeln einer so wichtigen Erfahrung wie dem Paternoster fahren bestehen darf. Selbst der WDR hat Sonntags vormittags eine Sendung, bei der die Prominenten während der Paternosterfahrt interviewt werden.

Paternoster im Rathaus Duisburg Foto: Uwe Köppen, Stadt Duisburg
Paternoster im Rathaus Duisburg
Foto: Uwe Köppen, Stadt Duisburg

Ich hatte es ja eingangs schon erwähnt, die Mutigste war ich nie und so habe ich mich als Kind auch nie getraut, mit dem Paternoster, dem sogenannten Personenumlaufaufzug, einmal rund zu fahren. Bin vor dem Wendevorgang immer abgesprungen und in die gegenüberliegende Kabine zum Abwärtsfahren wieder eingestiegen. Diese Mutprobe habe ich dann erst als Erwachsene bestanden. Im Rathaus in Duisburg. Hatte dort einen dienstlichen Termin und dabei sollte man ja keine Schwäche zeigen. Also bin ich hoch bis zum Ende, einmal rübergeruckelt und in der gleichen Kabine wieder runter gefahren. Ein beglückendes Erlebnis. Und alle die jetzt denken, die spinnt doch, denen kann ich nur zurufen: Versucht es mal und lasst euch mit dem Paternostervirus infizieren.

Denn das Tolle ist, nach sechs Wochen Paternosterverbot hat der Bundesrat einer erneuten Änderung der Betriebssicherheitsverordnung zugestimmt und so das Verbot entschärft. Jetzt darf wieder munter weitergerumpelt werden.

Lang lebe der Lift-Oldie!

Ein Gastbeitrag von Petra Karst.

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