Unsere digitalen Spuren und was davon übrig bleibt

Es ist ja nichts Neues, dass wir auf Schritt und Tritt eine gigantische und ungreifbare Datenmaschinerie füttern. Aber sollten wir uns nicht wundern, dass unsere neue Fotobearbeitungs-App auf einmal auch Zugriff auf unseren Standort und das Mikrophon haben möchte? Warum auch nicht, fragt man sich da. Schnell ist der Bestätigungsbutton gedrückt und das Thema wieder vergessen. Aber denkt nach …

Digitale Spuren und der Umgang mit unserer Privatsphäre

Oft können Ortungsdienste oder gespeicherte Informationen über unsere letzten Transaktionen natürlich auch praktisch sein, doch in welchem Maße müssen und sollten wir diese Beobachtung und vielleicht sogar Manipulation zulassen und wo sollte unser natürliches Misstrauen einsetzen?
Unabhängig davon, ob George Orwell sich im Grab umdrehen oder suffisant lächelnd eine „Ich hab’s euch doch gesagt-Miene“ aufsetzen würde – fragt Euch doch in einer ruhigen Minute mal selbst: Wem möchte ich wie viel an persönlichen Informationen preisgeben?

Es ist alles so verlockend einfach und unkompliziert in diesem undurchsichtigen Informationsdschungel, der sich Internet nennt, dass wir uns über langfristige Auswirkungen und vielleicht auch negative Folgen unseres Online-Handelns oft überhaupt keine Gedanken machen. Dabei ist es gar nicht so aufwendig oder schwer, ein gewisses Mindestmaß an Privatsphäre im Internet herzustellen. Besonders in den Sozialen Netzwerken ist oft schon ein kurzer Blick in die Kontoeinstellungen hilfreich. Schnell sind ein paar wenige voreingestellte Häkchen weggeklickt und du hast dich selbst direkt vom Präsentierteller in etwas privatere Gefilde verfrachtet. Beim Online-Shopping ist dies dann schon ein wenig schwieriger. Hier ist meist ein starker Wille als Präventivschlag gegen personalisierte Werbemaßnahmen von Nöten, um den größten Versuchungen zu widerstehen.awhCbhLqRceCdjcPQUnn_IMG_0249

Es gibt aber in diesem Zusammenhang tatsächlich noch etwas, worüber wir uns bisher noch weniger Gedanken gemacht haben als darüber, was mit diesem unglaublichen Datenwust, den wir täglich hinterlassen, passiert. Denn wenn wir teilweise schon Schwierigkeiten haben selbst zu überblicken, welche Online-Konten wir unter welchem Pseudonym wo hinterlegt haben oder wie jetzt nochmal die Zugangsdaten vom eigenen Amazon-Account waren, wie soll dann da jemals jemand anderes durchsteigen? Selbstverständlich denken wir in unserem Alter noch nicht besonders viel an den Tod, geschweige denn an unser datentechnisches Vermächtnis, aber mit der Generation Internet wurde auch gleichzeitig die dringliche Notwendigkeit geboren, sich Gedanken über unser digitales Erbe zu machen.

Digitaler Nachlass und wie du vorsorgen kannst

Als digitaler Nachlass oder digitales Erbe werden die im Internet und auf jeglichen Datenträgern gespeicherten Informationen über unsere persönlichen Benutzerkonten und im Prinzip alle erdenklichen elektronische Daten bezeichnet. Was passiert also mit laufenden Abonements, Mitgliedschaften, Verträgen oder ausstehenden Transaktionen, wenn wir uns eines Tages plötzlich nicht mehr darum kümmern können? Wie geht man mit der Löschung von E-Mail- und Online-Shopping-Konten um? Werden unsere Accounts in den Sozialen Netzwerken ewig inaktiv weiterbestehen, weil gerade mal wir im besten Fall all diese ganzen Zugangsdaten kennen?Digitale Spuren1 -sh

Juristisch gesehen gehen im Falle unseres Ablebens nicht nur alle Rechte, Pflichten und Kosten aus der Online-Welt auf unsere Erben über, sondern – damit verbunden – im Grunde auch der Zugang und die Verwaltung aller persönlichen digitalen Informationen – vom Beate-Uhse-Warenkorb bis zu pikanten Nachrichtenverläufen mit dem Vorgesetzten – gespeichert ist gespeichert und bleibt halt auch erst einmal existent.

Da es noch keine einheitlichen Regelungen und Vorschriften zur Abwicklung des Ganzen gibt, sollten wir uns alle früh genug selbst einen Plan zurechtlegen, denn jeder von uns trägt hinsichtlich dessen auch eine gewisse Verantwortung. Ob wir nun speziellen digitalen Nachlassverwaltern vertrauen wollen, den klassischen Weg über den testamentarischen Vermerk oder einer Vorsorgevollmacht gehen, kann jeder für sich entscheiden. Aber darauf verlassen, dass die Vorlage einer Sterbeurkunde oder eines Erbscheines am Ende ausreicht, sollten wir uns nicht. Zumal nicht zuletzt das Fernmeldegeheimnis allein schon den Zugriff auf unsere diversen Mail-Konten erschwert und generell in den wenigsten Fällen eine zweite Person über all unsere Online-Aktivitäten informiert ist. Also Facebook-Gedenkstatus oder Google-Kontoinaktivitätsmanager schön und gut, aber wir sollten alle den Anspruch haben, dass eines fernen Tages jemand mit digitalem Kehrbesen und Wischmopp ausgestattet hinter uns aufräumt.

Bis dahin wünsche ich Euch allen fröhliches Internet-Shoppen und Sich-orten-lassen, solange Ihr Euch über diese wenigen, aber dennoch grundlegenden Dinge bewusst seid.

Svenja

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