RS1 – der schnellste Weg durchs Revier

Auf meiner Suche nach einer Studi-freundlichen, gesunden und vor allem zuverlässigen Alternative zum Auto und dem öffentlichen Nahverkehr bin ich doch tatsächlich fündig geworden: Das Radeln auf einer alten Bahntrasse ist effektiv eine ernst zu nehmende Möglichkeit der schnellen Verbindung in der Stadt und zwischen den Städten. Bei kaiserlichem Wetter wurde am vergangenen Dienstag der erst Ende November diesen Jahres freigegebene Teilabschnitt des Radweges „Rheinische Bahn“ mal auf Herz und Nieren getestet.

9:00 Uhr: Frühstück am Essener Campus. Eine Stärkung ist unerlässlich, schließlich wissen wir nicht, was uns erwartet.

9:30 Uhr: Abfahrt am Café Rosso in Richtung Grüne Mitte.

9:32 Uhr: Sind wir hier richtig? Da steht irgendwas von Borbeck; geht der Radweg nicht schon bis Mülheim?

9:34 Uhr: Stehenbleiben zur kollektiven Smartphone-Recherche.

9:40 Uhr: Ergebnisauswertung: Also eigentlich müssen wir hier richtig sein; lasst uns einfach mal weiterfahren und schauen, wo wir auskommen.

10:25 Uhr: Ankunft an der Sperrung des Radwegs in Höhe Mülheim und Folgen der Umleitung bis zum Hauptbahnhof.

img_9419Die Vision des Regionalverbandes Ruhr ist es, nach Vorbildern wie London und Kopenhagen, auch die Metropole Ruhr mit einem Netz aus vollwertigen Radwegen auszustatten, das nicht nur Stadtteile, sondern ganze Ballungsräume miteinander verbindet. Wir können uns den geplanten Radschnellweg RS1 im Prinzip also wie eine ca. 100 Kilometer lange A40 für Radfahrer zwischen Hamm und Duisburg vorstellen (man bedenke, dass dadurch Duisburg, Mülheim, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Unna, Kamen, Bergkamen und Hamm miteinander verbunden werden). Die Verlängerung der ausgebauten Bahntrasse ist in den kommenden Jahren bis hin zum Rheinpark Duisburg geplant und soll auch schon bestehende Radwege mit einbinden, wie es zum Beispiel mit dem Essener Gruga-Radweg bereits geschehen ist.

img_9414Die Vorteile des RS1 sind also nicht von der Hand zu weisen. Wer unabhängig von der Willkür der Bahnen und des Straßenverkehrs in Ruhe die Natur und die frische Luft genießen, womöglich einen Teil des täglichen Sportprogramms erledigen, Gesundheit und persönliche Fitness fördern, die Umwelt schonen, Geld sparen und zügig vorankommen will, dem empfehle ich: Sattelt die Räder, denn es macht wirklich Laune! Es ist bisher zwar lediglich eine Modellstrecke von der Essener „Grünen Mitte“ am Rheinischen Platz aus bis zum Mülheimer Hauptbahnhof und dementsprechend erst einmal „nur“ fünf Kilometer lang, aber Ihr werdet auf der sechs Meter breiten und gut ausgebauten Bahntrasse durch wirklich idyllische Stadtteile mit hübschen Wohnanlagen und kleinen Seen geführt. Flankiert durch Zechentürme und Bäume, werdet Ihr auch immer wieder Möglichkeiten zur Rast finden.

Meinimg_9424 Tipp für Aktive: Solange der Streckenabschnitt noch nicht weiter ausgebaut ist, könnt Ihr ab Mülheim Hauptbahnhof (verbotenerweise) durch die Innenstadt (Lasst Euch nicht erwischen und fahrt vor allem niemanden um) oder einfach außen herum bis hin zur Ruhr fahren. Am Wasserbahnhof habt Ihr dann die Wahl (es sei denn das Hochwasser nimmt Euch diese Entscheidung ab), welche Ruhrseite Ihr in Richtung Essen-Kettwig bzw. Werden oder Hügel befahren wollt. Auf dem Weg an der Ruhr, über Felder und unter der Ruhrtalbrücke entlang, tun sich ab Kettwig auch immer wieder Möglichkeiten auf, eine Bahn wieder in Richtung Eures Zuhauses zu nehmen.

An dieser Stelle möchte ich auch den Bewegungsphobikern unter Euch Mut zusprechen. Der Radweg ist weder unangenehm hoch frequentiert noch ist eine Mindestgeschwindigkeit vorgeschrieben. Ob Ihr den Weg nun also als Mittel zum Zweck nutzt, um von A nach B zu kommen oder den potenziellen Ausflugscharakter des Ganzen nutzt, um etwas von Eurer Stadt zu sehen, der Abschnitt des Radweges zwischen dem Essener Universitätsgelände und dem Mülheimer Hauptbahnhof wird Euch auf ganzer Länge und Breite überzeugen.

Die Fahrradbesitzenden unter Euch und jene, die mit der Anschaffung eines rollenden Untersatzes liebäugeln (natürlich funktionieren auch Inliner und dergleichen), können nur hoffen, dass der Rest der RS1-Strecke schnell fertiggestellt wird und die Ruhrgebietsstädte noch in diesem Jahrhundert lückenlos verbindet. Außerdem wäre eine etwas auffälligere und aussagekräftigere Beschilderung zu Beginn des Radweges definitiv von Vorteil; da spart man sich die heillose Verwirrung und dummes Herumstehen.

Ich werde in jedem Fall die erfrischende Spießigkeit eines Fahrradausfluges in Zukunft nicht mehr unterschätzen, auch wenn die Wetteraussichten vorerst Dauerregen erahnen lassen. Ihr könntet die Zwischenzeit bis zum nächsten Sonnentag beispielsweise dafür nutzen, Euer Rad wieder auf Vordermann bringen zu lassen (Stichwort Sicherheit im Straßenverkehr). Die Harten unter Euch folgen einfach der Devise „Gegenwind formt den Charakter“. Ich wünsche Euch eine sichere Fahrt!

Svenja

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