Neue Herausforderungen schaffen neue Blickwinkel – eine junge Mama berichtet von ihrem Studium mit Kind

Ich hatte das Glück, mit einer jungen Mutter aus meinem Studiengang über ihr Leben, aber vor allem ihr Studium mit ihrer kleinen Tochter sprechen zu dürfen – an dieser Stelle noch einmal tausend Dank für den tollen Einblick. Ich ziehe meinen Hut vor dem, was Du leistest. Was alle mit Doppel- und Dreifach-Belastung leisten, während die größte Sorge vieler Studis – mich eingeschlossen – oft das Wuppen der nächsten Klausur ist, aber vor allem die Frage, wie viele Tage man (sich) im Anschluss (dafür) feiern möchte und wo. Das ist auch gut so, und vor allem ist es normal. Es gibt im Leben eben für alles seine Zeit …

Natürlich bieten Universität und Studierendenwerk diverse Ganz- und Halbtagsangebote zur Betreuung der winzig kleinen bis großen Racker. Derzeit werden rund 120 Kinder von Studierenden in den Einrichtungen des Studierendenwerks betreut – Tendenz steigend. Allein im kommenden Februar wird eine weitere Kindertagespflege am Campus Essen eingerichtet werden. Doch wie gestaltet sich der Alltag junger Eltern? Welche Hürden müssen täglich genommen werden, noch bevor man überhaupt abgehetzt in der ersten morgendlichen Vorlesung aufschlagen kann?IMG_3161

Erzähl mir von der Unterstützung, die Du im Alltag brauchst. Sind Familie, Freunde und Partner gut eingespannt?

Meine Tochter und ich wohnen mit fünf weiteren Mitbewohnern in einem großen Haus. Ich weiß nicht, wie ich mein Studium und meine Jobs ohne die Unterstützung meiner Mitbewohner meistern könnte. In Notfällen und wenn ich lange arbeiten muss, bringen meine Mitbewohner die Kleine ins Bett. Sie passen auf sie auf, wenn die Kita geschlossen ist und beschäftigen sie, wenn ich mal krank bin. Außerdem kümmert sich der Vater der kleinen Maus wirklich rührend. Er verpasst keinen Papa-Nachmittag. Seit wenigen Wochen bleibt sie manchmal sogar ein ganzes Wochenende bei ihm. Das entlastet mich natürlich. Und dann gibt es noch Oma. Oma ist immer eine riesige Hilfe und sowieso die Beste!

Erhält man denn als junger Elternteil Unterstützung von der eigenen Universität? Wird einem da auch mal etwas mehr Verständnis entgegengebracht?

Die Universität hat mich beispielsweise in der Grundausstattung für das Baby finanziell unterstützt. Ansonsten sind die Dozenten (vor allem solche, die selber Kinder haben) wirklich verständnisvoller und gewähren zum Glück auch mal einen Aufschub bei Abgabeterminen.

Das ist für die meisten Studierenden ein unvorstellbarer Workload, ganz zu schweigen von der enormen Verantwortung, die Du trägst. Hast du Tipps, wie man das alles erfolgreich unter einen Hut bringen kann?

Ich habe vier Jobs und das Studium. Wie ich das alles immer so schaffe, weiß ich manchmal selbst nicht. Aber man braucht vor allem ein super strukturiertes Zeitmanagement. Ich muss aber an dieser Stelle gestehen, egal was man tut – ob Vorbereitung des Seminars oder Zeit verbringen mit der Kleinen –, man hat das Gefühl, es nicht gut genug zu machen. Ich versuche aber stets, viel qualitative Zeit mit meiner Tochter zu verbringen. Doch natürlich denkt mimg_9513an irgendwie immer, es ist noch nicht genug, und das ginge vielleicht noch besser. Das Geld ist letztlich fast immer knapp, deswegen arbeite ich sehr viel. Auch versuche ich, weiterhin viel Zeit mit meinen Freunden zu verbringen, was mir natürlich nicht mal annähernd so gut gelingt, wie ich mir das vorstelle und wünsche. Und natürlich versuche ich mein Studium bald abzuschließen. Auch das dauert um einiges länger, als man das zu Beginn gedacht hat.

Wie gestaltet sich Dein Studium, seit du eine Tochter hast?

Mein Studium hat, so denke ich heute, früher mehr unter meinen Feier-Eskapaden gelitten, als jetzt unter meinem Familienleben. Als ich schwanger wurde, habe ich zum ersten Mal wirklich den Wunsch verspürt, mein Studium bald zu beenden. Ich erziehe die Kleine vom Tag ihrer Geburt an allein. Und da unsere Miete bezahlt werden muss, wir etwas essen müssen, und ich auch ein wenig Zeit für mein Studium benötige, hatte ich schon früh keine andere Wahl, als meine Tochter zu einem Tagesvater zu bringen. Ansonsten besuche ich jedes Semester nur wenige Seminare, schließe diese aber auch immer erfolgreich ab. Bevor ich Mutter wurde, habe ich gern mal das eine oder andere Seminar unvollendet gelassen. So etwas leistet man sich mit Kind eher nicht mehr. Jetzt bin ich mit meinem Studium aber auch fast fertig.

Karriere- und Zukunftsplanung; wie plant man mit Kind?

Generell bin ich kein extrem karriereorientierter Mensch. Ich möchte gerade mal genug Geld verdienen, um relativ sorgenarm leben zu können und vor allem viel Zeit für meine Tochter zu haben. Früher bin ich gern herumgereist. Ich habe in NY City, Bakersfield CA und Ost-Deutschland gewohnt. Ich wollte meinen Master gern in Amsterdam, Berlin oder England machen. Solche Pläne habe ich erst einmal verworfen, da es mir sehr wichtig ist, dass meine Tochter ihren Vater und ihre Oma sehen kann, wann immer sie möchte. Und die leben nun mal hier in Bochum. Solange die Kleine also noch nicht alt genug ist, sich auch mal allein in einen Zug oder ein Flugzeug zu setzen, sehe ich unsere nähere Zukunft erstmal im Ruhrgebiet. Es fühlt sich auch alles andere als schlecht an zu wissen, wo man die nächsten Jahre verbringen wird.

Erst Familie, dann Studium? Wie setzt Du nun Deine Prioritäten?

Natürlich kommt erst die Familie! Dann die Arbeit zur Sicherung unserer Existenz und dann irgendwann dann das Studium.

Was erwartet junge Eltern? Wie sieht ein normaler Tag für Dich aus?

Ich denke unser Donnerstag ist ein gutes Beispiel. Ab 9:00 Uhr gibt es im Kindergarten Frühstück, von dort aus gehe ich dann direkt in die Uni. Ab 13:00 Uhr muss ich arbeiten. Meine Mutter holt die Kleine dann um 16:00 Uhr vom Kindergarten ab. Um 17:00 Uhr habe ich Feierabend und hole meine Tochter bei ihrer Oma ab. Manchmal müssen wir beiden dann noch gemeinsam ein paar Flyer in Läden in der Stadt verteilen. Wenn wir zu Hause sind, dann kochen und essen wir gemeinsam zu Abend und machen uns bettfertig. Sobald meine Tochter schläft, mache ich noch etwas für die Uni, wasche oder chille auch einfach mal. Aber oft schlafe ich auch vor lauter Müdigkeit mit ihr zusammen ein.img_9515

Es ist schön zu hören, dass sich Studium, Arbeit und Kind nicht ausschließen. Du machst sicher Erfahrungen, die vielen Deiner Kommilitonen verwehrt bleiben.

Definitiv. Es hört sich vielleicht alles gar nicht soooo wundervoll an. Ist es aber für mich. Ich habe die Entscheidung, ein Kind bekommen zu haben, nicht ein einziges Mal bereut. Ich wusste gar nicht, dass ein Mensch überhaupt so sehr lieben kann und im Gegenzug so sehr zurück geliebt werden kann. Meine Tochter ist unglaublich offen, fröhlich, laut, dreckig und anstrengend … und genau das macht mich zu einem der müdesten, aber gleichzeitig glücklichsten Menschen auf der Welt.

Svenja

2 Gedanken zu “Neue Herausforderungen schaffen neue Blickwinkel – eine junge Mama berichtet von ihrem Studium mit Kind

  1. Super Artikel. Gerade den Punkt, dass man denkt man würde es „nicht gut genug machen“ kann ich so unterschreiben. Man hat als Eltern mit Kind so viel um die Ohren, aber irgendwie kann man sich für nichts richtig intensiv Zeit nehmen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s