Initiative „Flüchtlinge mitnehmen“ im Interview

Flüchtlinge mitnehmen heißt das Projekt, das eine Studentin der Evangelischen Fachhochschule Bochum in diesem Jahr ins Leben gerufen hat, um geflüchteten Menschen auf eine ganz simple und unbürokratische Art zu helfen. Rebecca Radmacher ruft dazu auf, Flüchtlinge auf dem eigenen Bahnticket mitzunehmen. Die Idee hat medial hohe Wellen geschlagen und findet bereits zahlreiche Unterstützer. Um zu erfahren, wie die Initiative genau funktioniert, haben wir mit einer ehrenamtlichen Unterstützerin des Projekts gesprochen. Im Interview erzählt uns Lejla Dedic, Studentin der UDE, mehr zu den Hintergründen und wie man mitmachen kann.

Rebecca und Lejla (v.l.)
Rebecca und Lejla (v.l.)

Studistory: Lejla, die Idee ist also, Flüchtlinge auf dem eigenen Bahnticket mitzunehmen. Aber darf man das überhaupt?

Lejla: Klar! Es hängt allerdings davon ab, um was für ein Bahnticket es sich handelt. Konkret für das Semesterticket gilt die Regel, dass Studierende sowohl an Werktagen ab 19 Uhr als auch am Wochenende und an Feiertagen ganztägig jemanden auf ihrem Ticket mitnehmen können.

Studistory: Wie ist Rebecca denn auf diese Idee gekommen?

Lejla: Rebecca pendelt selbst oft mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen den Städten im Ruhrgebiet hin und her und entwickelte im Frühjahr 2015 während ihres Praktikums bei youngcaritas im Ruhrbistum diese Idee. Sie erstellte ein Konzept, wie Geflüchtete und Ticketbesitzer über die Mitnahme-Möglichkeit informiert werden könnten und youngcaritas förderte dann das Projekt.

Flüchtlinge mitnehmen 3 @LejlaStudistory: Warum ist es dir persönlich so wichtig, dich für das Projekt zu engagieren?

Lejla: Freiheitsliebe, Toleranz, Solidarität – das sind urliberale Werte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Ich finde es enorm wichtig, diese Werte zu verteidigen. Jeder kann helfen, jeder kann mitmachen. Tatsache ist: Flüchtlinge brauchen unsere Hilfe. Rebecca hat mit dieser Initiative gezeigt, dass man mit einer einfachen, aber überzeugenden Idee, viele Menschen bewegen kann.

Flüchtlinge mitnehmen 4  @LejlaStudistory: Woran erkennt denn ein Flüchtling überhaupt, dass ihn jemand auf seinem Bahnticket mitnehmen kann?

Lejla: Sehr einfach: Ticketbesitzer erhalten von uns einen Button, mit dem signalisiert wird, dass man jemanden mitnehmen kann. Jedoch ist es wichtig zu beachten, dass man die Personen nur zu bestimmten Zeiten und nur im VRR-Gebiet mitnehmen darf.
Derzeit werden die Flüchtlinge, die sich in Flüchtlingsheimen in Duisburg, Essen, Bochum und Herne befinden, über diese Möglichkeit informiert.

Studistory: Und woher bekommt man diese Buttons?

Ehrenamtliche Helfer am Campus der UDE
Ehrenamtliche Helfer am Campus der UDE in Essen

Lejla: Die Buttons kann man über unsere offizielle Website beantragen. Dort gibt es eine Liste, auf welcher die offiziellen Button-Abholstationen stehen. Ab und zu informieren wir auch Studierende direkt vor Ort, an den Universitäten. Dann verteilen wir Buttons mit Flyern, welche auch viele wichtige Informationen beinhalten.

Studistory: Ist das denn alles auch mit den Verkehrsbetrieben abgeklärt? Macht da niemand Ärger?

Lejla: Die Verkehrsunternehmen der jeweiligen Städte haben sich nicht gegenteilig geäußert. Mehr noch – die Bogestra (Verkehrsunternehmen in Bochum, Gelsenkirchen, Herne…) unterstützt das Projekt offiziell und hat eigene Hinweise für das Mitnehmen erstellt. Bisher gab es noch keine negativen Reaktionen oder Einschränkungen durch die Verkehrsbetriebe. Wir gehen davon aus, dass das so bleibt, denn wir als Studierende beispielsweise bezahlen ja auch dafür, dass wir zu gewissen Zeiten eine zweite Person mitnehmen dürfen.

Studistory: Was rätst du Studierenden oder Pendlern, die bei dem Projekt mitmachen wollen? Was sollte man beachten? Wo kann man sich noch am besten über das Projekt informieren?

Lejla: Meine Empfehlung wäre, einfach zu beachten, in welchem Zeitraum und in welchem Gebiet man Flüchtlinge mitnehmen darf. Am besten informiert man sich über unsere offizielle Website oder auch über Facebook. Wenn man einen Button haben möchte oder sich informieren will, stehen Rebecca, ich und andere ehrenamtliche Helfer aber auch zur Verfügung.

Das Interview führte Johanne.

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