DSW-Plakatausstellung in der Hauptmensa Essen – eine qualitative Studie

Der Versuchsaufbau: eine Mensa mitten im Ruhrgebiet. Es ist Freitag, 13:00 Uhr – Essenszeit für viele Studierende und Mitarbeiter/innen an der Universität Duisburg-Essen.

Der Anlass: Seit dem 5. Januar (voraussichtlich bis zum 28. Januar) werden in diesen Räumlichkeiten selbst designte Plakate von Studierenden aus dem gesamten Bundesgebiet ausgestellt, die im Rahmen des 29. Plakatwettbewerbes des Deutschen Studentenwerks (DSW) entstanden sind. Die 30 besten Einsendungen haben es, schön gerahmt, an die Wände der Essener Hauptmensa geschafft. Unter ihnen auch der Beitrag eines unserer Folkwang-Studis, Chapeau! Thema ist – ganz aktuell – das studentische Wohnen. Manche der Plakate sind lustig, einige provokant und viele kritisch, haben sie doch eines gemein: die ungefilterten Meinungen der Studis zur aktuellen Wohn- und Wohnungssituation in deutschen Universitätsstädten.

Das Ziel: Herausfinden, ob, und wenn ja wie, die Plakatausstellung von den Studierenden wahrgenommen wird. Des Weiteren war es mir ein Anliegen zu erfahren, wo ggf. Verbesserungsmöglichkeiten gesehen werden und was in den Augen unserer Studis bereits gut umgesetzt wurde.

Der Versuchsablauf: In meiner Rolle als Versuchsleiterin schickte ich eine Experimental- und eine Kontrollgruppe, bestehend aus jeweils zwei meiner pfiffigen Kommiliton/innen und gleichzeitig alteingesessenen Mensa-Gängern, ins Feld. Die Versuchspersonen der Experimentalgruppe erhielten vorab die Instruktion, sich während des Aufenthaltes zum Mittagessen mal die Plakate in der Mensa anzusehen. Die Versuchspersonen der Kontrollgruppe hingegen wurden ohne vorherige Instruktion erst nach ihrem Besuch zu Auffälligkeiten bzw. Veränderungen im Speisesaal befragt.

img_9962

Das Ergebnis: Unerwartet. Während die Versuchs-Studis der Kontrollgruppe im Nachhinein keine Auffälligkeiten bzw. Veränderungen – sprich die über zwei Dutzend DIN A1-großen und ausgesprochen farbenfrohen Plakate – wahrgenommen haben, kamen die Versuchs-Studis der Experimentalgruppe erheitert zurück. „Das Thema der Plakatausstellung war doch irgendwas mit „studentischem Wohnen“, oder? Ganz witzige Umsetzungen sind das.“, hieß es da. Bei einem gemeinsamen Gespräch mit allen Teilnehmer/innen der Studie wurde deutlich: Die Idee zur Ausstellung der besten 30 Plakate sei gut und wird durchweg positiv bewertet. Hinsichtlich der Umsetzung gäbe es aber noch ein paar Baustellen. Freilich sei es in erster Linie der Architektur eines so großen Saales geschuldet, dass die Flächen zur Anbringung eines Plakats, vor allem auf die Entfernung, nicht gut einsehbar seien. So entscheide der ergatterte Sitzplatz meist über Wahrnehmung ja oder Wahrnehmung nein. Wer aus der Experimentalgruppe also vermeiden wollte, sich, zum Entziffern der vergleichsweise kleinen Schrift auf manchen Drucken, zwischen unbekümmert schmausenden Studierenden und Wand hindurchzuquetschen oder halb auf den Teller eines Anderen kraxeln zu müssen, entschied sich für die oberflächliche Begutachtung aus sicherem Abstand.

Die Lieblings-Plakate:3. Preis_Hey Siri_Kim Nguyen
In der Ausstellung hat besonders das „Siri“-Plakat Schmunzeln in die Gesichter der Studis gezaubert. Siri, allseits Freund und Helfer in der Not, hat doch bisher eigentlich auf die abstrusesten Fragen eine passende Antwort gefunden – diesmal nicht! Das Programm ahnt wohl, dass dem wohnungssuchenden Studi mit einer Weiterleitung zu Immobilienscout24 nicht besonders geholfen wäre. Der humorvolle Bezug zum Studi-Alltag, mit Smartphone in der einen und fehlendem Wohnungsschlüssel in der anderen Hand, ist hier wirklich besonders gut gelungen.

 

Vorab schon auf dem Instagram- und Facebook-Account des Studierendenwerks präsentiert, zieht das „Brust“-Plakat alle Augen auf sich. Wie wohl ursprünglich vom Schöpfer des Beitrages intendiert, löst der Anblick des wohl geformten Frauenbusens ausnahmslos Begeisterungsstürme aus. Wie es scheint, ist dem verzweifelten Studi auf Ge-sucht_KarolKowalski_WEBWohnungssuche jedes Mittel recht, um aus der Masse der Bewerber, in diesem Fall an einem Schwarzen Brett, hervorzustechen. Denn auch wenn der Jurastudent mit großer Wahrscheinlichkeit den angepriesenen Vorbau nicht zum WG-Casting mitzubringen vermag, so ist das Interesse doch in jedem Falle geweckt. Sex sells.

Das Fazit der Versuchspersonengruppe:
Es wäre von Vorteil, schon unten im Eingangsbereich der Mensa ein gut sichtbares Schild anzubringen, welches die Existenz der Ausstellung verkünde. Dies habe das Potential, den hungrigen Studi aus seinem Mensa-Trott herauszureißen und die Aufmerksamkeit in Richtung der unterhaltsamen Plakate zu lenken. Außerdem wurde betont, dass durchweg alle Versuchs-Studis satt und glücklich vom Mittagessen wiedergekehrt seien – gut gekocht, vielen Dank – und das nächste Mal einen, wenn möglich, näheren Blick auf die Plakate riskieren und ihren Kommiliton/innen davon berichten wollen.

Aufgehorcht!
Ihr seid Studierende der Fachrichtungen Grafikdesign, visuelle Kommunikation und Kommunikationsdesign oder kennt jemanden, dem Ihr genug Kreativität und Know-How zutraut, mitzumachen? Dann informiert euch jetzt! Denn auch in Zukunft werden kreative Köpfe gesucht, um die seit 1987 bestehende Tradition des Plakatwettbewerbes vom Deutschen Studentenwerk fortsetzten zu können. Dabei soll alljährlich ein hochschulpolitisches und kontroverses Thema gestalterisch in einem Plakat umgesetzt werden. Bundesweit anerkannt und von vielen Stellen gefördert, steht am Ende eines jeden DSW-Plakatwettbewerbes ein nicht zu verachtender Geldpreis und die unbezahlbare künstlerische Anerkennung. Des Weiteren gehen die besten 30 Beiträge auf Deutschlandtour und machen, wie ihr derzeit in der Hauptmensa Essen sehen könnt, u.a. bei unserem Studierendenwerk halt.

Svenja

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s