Trödelmärkte in NRW – es ist nicht alles Gold, was glänzt

Wer kennt ihn nicht: Er befällt regelmäßig kruschliebende Sparfüchse jedweder Couleur und hat mittlerweile thematisch schon eine TV-Show zur besten Sendezeit. Er ist allgegenwärtig und in aller Munde – der Trödel-Trend. Doch wo trödelt es sich günstig, gut und vor allem in schönem Ambiente?
Ob Antik- oder Second-Hand-Markt, überall sprießen sie wie Unkraut aus dem Boden und es gibt kein Entrinnen. Nur gut, dass sich mittlerweile seriöse Fernsehsender wie RTL II um die Bergung jener Menschen kümmern, die es mit dem Trödeln und dem anschließende Horten definitiv zu weit getrieben haben. An dieser Stelle stellt sich nun die Frage: Wo hört für uns der beliebte Retro- und Vintage-Chić auf und wo fängt Müll an? Klar kann und sollte dies jeder für sich festlegen, doch habe ich mir mal drei unterschiedliche Trödel-Konzepte angeschaut, die sich in unserem Umkreis anbieten. Denn nur weil alle auf den Trödel-Trend-Zug aufspringen wollen, ist es doch nicht immer eine Reise wert. Hier mein Erfahrungsbericht:

Platz 3
Trödel dich glücklich“, Boui Boui Bilk, Düsseldorf:

Es war ein ziemliches Gedränge an diesem frühen Samstagabend im November. Ein Mädchen neben dem Anderen, ab und an mit dem verängstigt oder gestresst dreinblickenden Freund im Schlepptau. Das Konzept eines überdachten Marktes, wo junge Frauen in urban-industriellem Ambiente mit kleiner Bar Second-Hand-Klamotten kaufen und verkaufen können, gefiel mir ausgesprochen gut. Nur sah man vor lauter Menschen leider nicht allzu viel von dem Dargebotenen. Aber es ließen sich sich mit etwas Geduld und ein wenig Einsatz der Ellenbogen ein paar richtige Schätze zu sehr fairen Preisen finden.

Platz 2
Antikmarkt, Innenhafen, Duisburg:

Mit strahlendem Sonnenschein begrüßte mich im vergangenen Spätherbst der Antikmarkt im Duisburger Innenhafen – übrigens immer einen Ausflug wert. Es tummelten sich schon viele Menschen zwischen den Ständen und Auslagen, dennoch gab es ausreichend Platz, um sich mal fernab vom geschäftigen Gedränge bei einem Getränk oder einem Happen irgendwas zu entspannen. Einzig meine eigene Vorstellung (und damit verbundene Erwartung) von „Antik“ dämpfte die Begeisterungsstürme.

Platz 1:
Dauertrödelmarkt, Café Konsumreform, Essen:

IMG_0571_1Der Dauertrödelmarkt ist Teil eines gemütlichen Cafés am Rande der Essener Innenstadt, welches vor und nach dem Bummeln für das leibliche Wohl der Gäste in Form von selbst gebackenen Kuchen, Quiches und wechselnden Gerichten sorgt und zum Verweilen bei einem Kaffee oder ähnlichem einlädt. Im Trödelabteil des Ladens ist zusätzlich zur normalen Einkauf-Option auch der Verkauf ohne physische Präsenz möglich. Dank der Regalvermietung lässt sich hier ganz einfach mit Dingen Geld verdienen, die man nicht mehr behalten mag, ohne dass man daneben stehen muss. Auch praktisch: eine EC-Kartenzahlung ist möglich – Ihr könnt also die Karten glühen lassen.
Ich habe dort schon richtig schöne und gepflegte Ledertaschen und kleinen Deko-Kram gekauft und – obwohl ich heute lediglich zum Foto machen dort war – habe ich schon wieder etwas gefunden:

IMG_0573_1Dieses Armband (für alle Harry Potter-Fans) ist, neben vielen Ketten und Anhägern, die Schöpfung einer jungen Dame aus der Region. In Zusammenarbeit mit Goldschmieden kreiert sie diesen Schmuck selbst. Es scheint gut zu laufen, denn laut des Shopleiters des Konsumreform hat sie sich selbstständig gemacht und lebt davon. Hut ab.

Resümmee:
Insgesamt habe ich festgestellt, dass sich das verstörende Bild von Menschen, die hektisch in nach Oma oder Plastik müffelnden Klamotten auf trostlosen Parkplätzen am anderen Ende der Stadt wühlen und missmutigen Verkäufern, die sich bei Wind und Wetter die Beine in den Bauch stehen, um 180 Grad gewandelt hat. Man trödelt nun entspannt, mit Freunden plaudernd, einem Soja-Chai-Latte in der Hand und einem Lächeln im Gesicht. Und auch, wenn man nicht immer versteht, warum teilweise Plastik-Sonnenbrillen mit nur noch einem Bügel oder zerbrochene Vasen feil geboten werden, macht doch letztlich das Gesamtbild von Neuem und Altem den Charme eines guten Trödelmarktes aus. Außerdem erstrebenswert ist in meinen Augen, wenn die neuen Produkte „selfmade“ und aus lokalem Kontext sind. Ich glaube auf das Massenprodukt „Made-In-Will-Ich-Gar-Nicht-Wissen“ kann der trödelinteressierte Studi gut und gerne verzichten. So macht es dann Sinn, Spaß und jeder hat etwas davon. Denn auch wenn man nichts findet, so hat man doch viel gesehen und im besten Falle einen schönen Nachmittag verlebt.

Svenja

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