Nachgefragt: Was Studierende zum Thema „Auto“ sagen

Ob missionierender Öko, der am liebsten mit seinem handgeknüppelten Jutebeutel diejenigen Autofahrer verdrischt, welche allmorgendlich die 126 Meter von der Wohnung zum Bäcker nicht zu Fuß oder radelnd absolvieren, oder Radfahrer, der sich auf seinem Drahtesel nach dem vierten Schulterblick noch immer nicht über die Kreuzung getraut hat und das reinste Verkehrshindernis darstellt – alles egal! Am Ende des Tages haben doch alle etwas gemein: Jeder muss irgendwie von A nach B kommen.

Anfang des letzten Jahres gab es rund 44 Millionen zugelassene Personenkraftfahrzeuge in ganz Deutschland. Natürlich hat unser schönes Bundesland mal wieder gewonnen: Unglaubliche neun Millionen Pkw gibt es allein in Nordrhein-Westfalen. Von den über 17 Millionen Einwohnern, machen wir Studierende einen Anteil von etwas über einer halben Million (Stand WiSe 2012/13) aus. Doch wie verteilt sich das? Haben viele Studis ein eigenes Auto? Und ist unserer Generation ein Auto ähnlich wichtig, wie den Studierenden eine oder zwei Generationen zuvor?

auto-736794_960_720Grundsätzlich ist die Anschaffung eines Pkws in erster Linie abhängig von Wohn-, Studien- oder Arbeitsort und der umgebenden Infrastruktur. Des Weiteren spielen wie immer Größe und Strapazierfähigkeit des eigenen Portemonnaies, oder das eines externen Geldgebers, eine entscheidende Rolle. Aber wie ist das bei Euch? Wenn Ihr ein Auto habt, ist dieses für Euch tatsächlich unerlässlich oder könntet Ihr Euch auch vorstellen, auf andere Alternativen zurückzugreifen? Car- oder Radsharing zum Beispiel? Und wenn Ihr kein Auto habt, ist dieser Umstand im Alltag sehr umständlich, zeitaufwendig oder nervig?
Wir haben mal am Campus nachgefragt:

„Ein eigenes Auto zu haben ist als Kerl unerlässlich! Stell Dir doch mal vor, ich müsste mein Date mit Öffis abholen oder könnte meine Freundin nicht nach Hause fahren. Unvorstellbar!“
Nico, studiert Geschichte und Chemie

„Ich weiß noch, als ich Studentin war, hatten nur die wenigsten von uns ein Auto. Irgendwie war es weder besonders wichtig, noch besonders dringlich. Viele waren auch eher auf dem Öko-Trip und haben die Autobesitzer immer missmutig beäugt.“
Johanna, studierte Politikwissenschaften

„Also mir ist ein Auto jetzt nicht allzu wichtig. Wenn ich wirklich ganz dringend ein Beförderungsmittel zum Transport von irgendwas brauche oder weil keine Bahn fährt, dann leihe ich mir einfach eines bei meinen Eltern.“
Eva, studiert Germanistik und Philosophie

„Ich brauche schon des Öfteren einen fahrbaren Untersatz, sehe es aber nicht ein, monatlich fix so viel dafür zu bezahlen. Deswegen greife ich recht häufig auf Carsharing zurück.“
Christina, studiert Biologie

„Ich glaube ich hatte damals als Student nur aus dem Grund ein Auto, weil ich ein Mann bin. Das kommt mir im Nachhinein wie eine Art ungeschriebenes Gesetz vor. Man gehörte direkt zu den Cooleren und war unabhängig.“
Peter, studierte Kommunikationswissenschaften

„Diese Prügelei um Parkplätze in meiner Nachbarschaft: Das stresst einen ja nur vom Hinsehen! Je nach Wind und Wetter, Lust und Laune und vor allem Distanz, schnappe ich mir einfach mein Fahrrad oder fahre Bahn. In der Stadt ist ein Auto mittlerweile echt überbewertet.“ Paul, studiert Sport und Spanisch

Herrje, eine endgültige Entscheidung scheint nicht leicht zu sein. Denn am Ende des Tages kann man sich auf kein Transportmittel zu 100 Prozent verlassen. Es schüttet wie aus Eimern, das Fahrrad hat einen Platten oder ist – worst case – gar nicht mehr da, weil gestohlen. Die Bahn kommt zu spät, fällt ganz aus oder man findet auf Teufel komm‘ raus keinen Parkplatz und nach 35 Minuten des um den Block Kurvens geht dem Auto auch langsam IMG_0665der Sprit aus. So hat einfach jedes Transportmittel – neben diesen Unzuverlässigkeiten – auch in puncto Sicherheit bzw. Sicherheitsgefühl ein paar Tücken aufzuweisen. Da ist schnell mal ein mulmiges Gefühl abends allein in der Bahn eingekehrt, ein ungeplanter Fahrradstunt auf den regennassen Straßenbahngleisen hingelegt oder gerade noch haarscharf der Nachbarskatze ausgewichen, bevor diese sich als traurige Gallionsfigur vorn am Mercedesstern wiederfindet.
Also wägt es für Euch ab. Was passt am besten zu Euch und Eurer Lebenssituation? Besser kein Auto, kein Rad, beides oder einfach neue Nikes? Jedes Transportmittel hat seine Existenzberechtigung. Man sollte sich nur nicht in Unkosten stürzen und ob nun preiswert oder teurer, umweltschonend oder 200 PS stark, solange man guten Gewissens und immer vorsichtig fährt, ist doch alles halb so wild. Beruhigend ist jedenfalls, dass wir uns durch „Sharing“-Anbieter wie Stadtmobil und Metropolrad immer die Möglichkeit offen halten können, ein Verkehrsmittel spontan zu nutzen, ohne es zuvor gekauft haben zu müssen.

Interessant für umweltbewusste Autofahrer:

electric-car-734574_640In Zusammenarbeit mit Partnern wie der Ruhr-Universität Bochum oder dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, hat das Car-Institut der Universität Duisburg-Essen das Thema E-CarSharing mit dem Projekt RUHRAUTOe aufgegriffen. Dieses ist, besonders für den Stadtverkehr, eine preiswerte und umweltschonende Alternative. In Zukunft sollen im Ruhrgebiet noch viel mehr davon angeboten werden – die Vision der E-Auto-Industrie: bis 2020 bundesweit die Millionenmarke zugelassener E-Fahrzeuge knacken. Und vielleicht sind Euch die E-Flitzer an unseren Unis ja schon einmal aufgefallen?
Mehr zum Projekt und ein sehr informativer Clip der WDR Lokalzeit Ruhr: http://www.ruhrautoe.de

Also ist das Auto insgesamt zwar immer noch ein populäres Statussymbol, doch verlagern sich die Schwerpunkte in der Studierendenschaft, und natürlich gleichermaßen in der Gesellschaft, auch auf andere Dinge, wie zum Beispiel das Smartphone, o.ä.
Wer weiß, vielleicht werden wir uns im fernen Jahr 2040 mit portablen Wurmlöchern durch Zeit und Raum bewegen und Fahrräder, Züge und Autos findet man nur noch im Museum. Bis dahin fahrt – egal was – vorsichtig!

Svenja

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