Kulturtester: Kritik zu „Virtuosen von morgen“

Schüler und Studierende im Alter von 16 bis 28 Jahre können sich im Theater Duisburg, bei der Deutschen Oper am Rhein und bei den Duisburger Philarmonikern als Kulturtester melden und kostenlos Theatervorstellungen, Opern oder Konzerte besuchen. Einzige Bedingung: Die Kulturtester müssen das Gesehene im Anschluss aus ihrer Sicht kommentieren. Der Bericht wird dann auf der Facebook-Seite der Kulturtester veröffentlicht. Lest selbst, wie spannend so ein Konzertbesuch sein kann.

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Ich bin Irfan, der im gestreiften Pulli 🙂

Mein Name ist Irfan Akyildiz, ich bin 20 Jahre alt, lebe in der kleinen Stadt Datteln und studiere zurzeit NanoEngineering an der Universität Duisburg-Essen. Dieses Studium ist mein erstes und deshalb ist es – wie mit allem was man als erstes tut – oft schwierig, es in den Griff zu kriegen. Mitunter frage ich mich, wie und in welchem Tempo ich den Lernstoff am besten bewältigen kann und wie ich entspannter damit umgehen soll. Einige meiner Kommilitonen versuchen es, sich mit Computerspielen abzulenken und so zu entspannen, um wieder klare Gedanken fassen zu können. Ich hingegen mag jede Art von Kunst. Manche meiner Freunde können das nicht nachvollziehen, öfter höre ich wie schrecklich die klassische Kunst doch sei. Dabei waren meine Freunde nie in Konzerten und kennen Veranstaltungen wie „Virtuosen von morgen“ nicht, zu der die Duisburger Philharmoniker die junge Musikerelite aus NRW einladen. Nie haben sie den jungen Solisten gelauscht, die die große Bühne und das Publikum versuchen zu erobern. Toll ist auch, dass man als Publikum nach dem Konzert die Möglichkeit bekommt, die Virtuosen von morgen im lockeren Gespräch persönlich kennen zu lernen.

Wenn meine Freunde das einmal selbst erlebt hätten, dann könnten sie meine Begeisterung sicher nicht nur verstehen, sondern würden sie sicher auch teilen. Beim gemeinsamen Fußballspiel ist das viel einfacher.

So bleibe ich vorerst in meinem Freundeskreis der einzige Kulturtester. Ja, das habt Ihr richtig gelesen. Denn wer 16 bis 28 Jahre alt ist und gerne ins Theater, ins Konzert oder ins Museum geht, kann sich beim Theater Duisburg, der Deutschen Oper am Rhein, den Duisburger Philharmonikern und in den städtischen Museen als Kulturtester „verdingen“.

Als Kulturtester besuche ich die Veranstaltungen kostenlos. Einzige Bedingung, um dieses Angebot wahrnehmen zu können: Ich muss das Gesehene und Erlebte anschließend aus meiner Sicht kommentieren. Der Bericht wird dann auf der Facebook-Seite der Kulturtester veröffentlicht.

Als Kulturtester kriege ich alle paar Wochen eine E-Mail, in der mir die neusten Konzerte, Theaterstücke oder Opern angekündigt werden. Nun fragt Ihr Euch sicher, wie ich Kulturtester geworden bin? An einem Stand habe ich zufällig von diesem Angebot erfahren, gehört, dass der Besuch der Konzerte freiwillig und kostenlos ist und schon war mein Name auf der Anmeldeliste. Wollt Ihr auch dazu gehören? Um Kulturtester zu werden, genügt eine E-Mail mit Namen, Geburtsdatum und Mail-Adresse an kulturtester@stadt-duisburg.de.

Mir macht es jedenfalls sehr viel Spaß immer dabei zu sein. Hier meine aktuelle Kritik zu „Virtuosen von morgen“:

An einem Freitagabend versammelten sich Jung und Alt, um eine der aus meiner Sicht spektakulärsten und atemberaubendsten Vorstellungen zu geben. Die Darbietung war schlicht erste Klasse. Mit dem Orchester der Duisburger Philharmoniker verzauberten die jungen und sehr begabten Künstler, wie der erst 9-jährige Ehrengast des abends Benjamin Kohestani mit dem Klavierkonzert Haydns, G-Dur H0B XVII:4, 1770 für Cembalo, die Bühne. Man merkte, dass er nicht viel Erfahrung mit der Bühne und dem Druck hatte, aber trotzdem hat er eine erstklassige Vorstellung gegeben mit einem der schwierigsten Klavierstücke, das man in seinem Alter normalerweise nicht einmal aussprechen kann. Der kleine Mozart stammt aus dem Iran und hatte seine ersten musikalischen Momente schon mit 6. Seitdem verfolgt er seinen Traum, ein Dirigent zu werden. Wozu wir ihm viel Glück auf seinem Weg wünschen.

Einer der weiteren großen Stars diesen Abends war auch Lukas Dressel aus Saarbrücken. Der sehr begabte Tuba Spieler begann mit 14 Jahren Klavier zu spielen. Nach 5 Jahren wusste er, dass das Klavier ihn nicht ansprach, so dass er eines Tages im Orchester zusammen mit seinem Vater die Tuba entdeckte und sich direkt in ihren Klang „verhörte“. Seit diesem Moment ist die Tuba ein Teil von ihm geworden, mit der er durch eigenständiges Üben langsam zum Profi herangewachsen ist. Sein Können bewies er mit „Concerto for Tuba and Orchestra“ von Bruce Broughton.

Die einzige weibliche Virtuosin des Abends war die 18-jährige Judith Stapf, die mit ihrer grazilen Violine die Sinne spielen lies. Sie suchte sich ein Stück Eugene Ysaye’s aus mit dem Titel Chant d’Hiver (Winterlied) op.15. Außer ihrer unglaublichen Begabung, hat sie noch eine bestimmte und feste Vorstellung, was sie mit ihrem Können verwirklichen will. Nichts wäre ihr lieber, als mit und von der Musik leben zu können. Wir hoffen dein Traum geht in Erfüllung, Judith!

Als nächstes kamen die Freunde Sören Golz und Ivan Danilov, die unter dem Duo „Golz&Danilov“ vielseitige Auftritte geben. Auch hier war wieder diese bestimmte Magie und Harmonie zu spüren, die beim Orchester anfing, sich bis zu den hinteren Plätzen ausbreitete und die Luft förmlich darin umhüllte. Es war einfach wundervoll die zwei jungen Männer so harmonievoll mit der Gitarre spielen zu sehen und ihren einzelnen und spezifischen Tönen zu lauschen. Das Stück lautete Concierto Madrigal von Joaquin Rodrigo. Der Traum der zwei Freunde ist es, irgendwann gemeinsam in der Royal Albert Hall in London oder in der Carnegie Hall in New York spielen zu können.

Der letzte Virtuose war einer der speziellen Sorte. Schon vor seinem Auftritt merkte man „da kam was Großes auf die Bühne“. Die Leute schrien seinen Namen, pfiffen und riefen ihn herbei. Als es dann anfing, war sofort klar, dass die ganze Anspannung seinetwegen, gerechtfertigt gewesen. Lionel Jaquerods Fertigkeiten kann man nicht in Worte fassen, denn was er aus der Trompete rausgeholt hat, ist das was jeder große Musiker wie Mozart, Beethoven oder Vivaldi damals herbeigerufen haben muss. Direkt spürte man seine Präsenz und sein Trompetenspiel, was von seinem Herz begleitet wurde. Sein gespieltes Stück war Incantation, Thrène et Danse von Alfred Desenclos.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass es mir eine Freude war, diese jungen und gerade aufblühenden Künstler zu sehen, zu hören und mit ihnen zu reden. Alle haben mehr als genug Potential, was aus sich zu machen. Ich wünsche jedem einzelnen „Virtuosen von morgen“ eine angenehme und stressfreie Zukunft. Danke für den Abend!

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