Mein Halbmarathon-Tagebuch: Tag 75 von 84

Der VivaWest-Marathon. 9 Tage wird noch gepowert: Intervallläufe, Zeitläufe, nochmal richtig an die eigenen Grenzen gehen, bevor es am 22. Mai richtig ernst wird.

Die sporttreibenden Frühaufsteher-Studis unter Euch kennen das: Am Morgen in aller Herrgottsfrühe aufstehen, die Laufschuhe zubinden und sich auf die Straße schwingen. Beobachten, wie der Sonnenaufgang mit seinen ersten zaghaften, aber schon erstaunlich kräftigen Lichtstrahlen die Laufstrecke rechts und links neben einem in spektakuläres Licht taucht, einem noch einmal extra Kraft gibt. Diese Energie wird direkt vom Kopf in die Muskulatur weitergegeben.
Das war in den letzten Wochen mit das Schönste für mich am Joggen gehen. Um 6 Uhr klingelte der Wecker, teilweise auch früher. Ich habe die Stille am Morgen genossen, die frische Luft, die Sonnenstrahlen auf der Haut und meine immer besser werdenden Leistungen wahrgenommen. Selbst beim Ankommen daheim – schnaufend und röchelnd im 4. Stock, mit brennenden Muskeln und staubtrockenem Mund – war ich trotz alledem irgendwie happy und vor allem stolz.

Nur leider ist für mich hier und jetzt Endstation. Zu Beginn noch als unwichtig abgetan, haben sich meine Knieschmerzen in den vergangenen zwei bis drei Wochen stark verschlimmert. Spätestens ab Kilometer sechs bis acht war an idyllisches Laufen nicht mehr zu denken. Trotz weiterer Versuche um des Ehrgeiz Willens, habe ich es nun shoes-791044_1920einsehen müssen: mein Körper ist für diese Distanz wohl einfach nicht gemacht, zumindest nicht in dieser Frequenz und Intensität. Gestern hat das der werte Herr Doktor Orthopäde dann auch noch mittels eines Röntgen belegt. Die längst vergessene und verdrängte Ursache, warum ich in meiner Jugend sowohl Leichtathletik als auch Fußball an den Nagel hängen musste, hat mich erneut eingeholt: Morbus Schlatter. Klingt niedlich, ist nur doof, wenn man seinen Körper – speziell die Knie als schwächste Glieder – alle zwei Tage mit einer Belastung konfrontiert, die sie nicht stemmen können.

Da musste ich die Tränen der Enttäuschung schnell wegwischen und mir sagen: „Halt, du bist keine Oma, du bist einfach keine geborene Läuferin!“. Und zumindest habe ich einiges aus den vergangenen Wochen des Trainings gelernt: Mit Ehrgeiz kann man viel erreichen, viele Bestzeiten knacken und morgens beschwingter aufstehen. Aber manchmal ist Ehrgeiz auch ein falscher Freund. An dem Punkt, an dem es für einen persönlich nicht mehr gewinnbringend, sondern schädlich ist, sollte man aufhören. Demnach bin ich zwar traurig und enttäuscht, dass mir ärztlich von weiterem „laufbasiertem“ Sport abgeraten wurde, trotzdem bin ich jetzt wieder halbwegs gefasst, da ich zumindest meine Chearleading-skills am Rande der Laufstrecke testen kann: Es gilt meinen Laufpartner Philipp zu unterstützen! Er wird es sein, der hier in Form eines Gastbeitrages von seinen Erfahrungen berichten wird.

Trotz alledem waren die vergangenen 74 Tage des Trainings für mich nicht umsonst. Ich habe viel darüber gelernt, wie man sich motiviert und pusht, aber ebenso, dass der eigene Körper auch mal über den Geist siegen und diesem seine irdischen Grenzen aufzeigen kann. Was ich aber definitiv mitnehme sind:

 

Meine Top 3 Laufstrecken in Essen:

  1. Gruga: Schnell war die Jahreskarte gekauft (für Studis kostet diese übrigens nur 15 Euro!, hier die Öffnungszeiten), sodass alle Ecken des Parks erkundet werden konnten (eine große Runde entspricht in etwa 7 Kilometern, die Laufstrecke kann aber natürlich nach Lust und Laune überall entlangführen und nach Belieben verlängert oder verkürzt werden).
  2. Baldeneysee: Hier kann man sich richtig austoben! Die kleine Runde umfasst 14 Kilometer, die große knappe 19 (ein schöner Startpunkt ist hier der Regattaturm, an dem man nach dem Lauf mit Blick auf Segelboote verschnaufen kann).
  3. Stadtgarten: Einfach sehr praktisch, da der kleine Park sich genau zwischen Innenstadt, Südviertel und Rüttenscheid befindet, sodass man nie lange hin- oder zurücklaufen muss (die Runde um den Park umfasst ca. 2, die Runden im Park ca. einen Kilometer, diese sind aber abwechslungsreich und flexibel veränderbar).

Meine Top 3 Laufstrecken in Duisburg:

  1. Wedau: Rund um die Regattabahn geht`s völlig kostenlos mit Blick auf´s Wasser über den 5 km Parcours. Die Strecke ist ideal für Anfänger und Fortgeschrittene, beginnen kann man an jeder Stelle, zahlreiche Parkplätze rund um die Regattabahn sind vorhanden. Schön beschattet durch Sträucher und Waldstücke trainiert es sich tagsüber auch gut bei sonnigem Wetter, abends wird die Strecke durch 160 Laternen gut beleuchtet. Für die Beleuchtung kommen 53 Paten auf, die die Kosten für die Laternen übernommen haben.
  2. Neudorf: An der Uni auf der Lotharstraße kann man prima direkt in den Wald hoch laufen. Ihr merkt es schon, hier geht es steil bergan. Hat man aber erst mal die richtige Höhe erreicht, läuft sich auf hohem Niveau auch auf gerader Strecke ganz gut. Schöne Waldwege und viel Natur lassen schnell vergessen, dass ihr gerade noch die Autobahn überquert habt.
  3. Bissingheim: Hier ist auch wieder Bergerfahrung gefragt. Wer sich mal richtig was gönnen möchte, der läuft den Worringer Reitweg oder den Uhlenhorst hoch. Wenn das erst mal geschafft ist, dann fühlst Du Dich wie eine Königin. Rundherum gibt es jede Menge Wald und auch die Möglichkeit rechts und links in ebeneres Gelände zu wechseln.

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Wo es sich in Eurer Nähe gut laufen lässt, könnt Ihr hier herausfinden.

Meine Top 3 Trainings-Momente:

  1. Die Begegnung: An einem Samstagmorgen – um 6 Uhr, wie kann es anders sein – lief ich gerade dem Sonnenaufgang im Stadtgarten zwischen RWE-Turm und Philharmonie entgegen, als mir ein paar Nachtschwärmer begegneten. „Ist das ihr ernst?“. „Junge, wie krass ist sie denn?!“. „Hey wirklich, Respekt!“. Lachend lief ich weiter und fand mich selbst ein wenig komisch, da ich genauso ungläubig dreingeblickt hätte, wäre mir auf dem Heimweg vom Club ein Jogger in meinem Alter in die Arme gelaufen.
  2. Die Abkühlung: Von einem sommerlichen Regenschauer überrascht zu werden, kann durchaus zur Motivation beitragen. Es erwischte mich mitten im Lauf, bei Kilometer acht, sodass ich mich, anstatt mich ins Trockene zu retten, erstaunlich schnell damit abfand, nass bis auf die Haut zu sein und sogar anfing, den Regen richtig zu genießen. An diesem Nachmittag habe ich keine Pfütze ausgelassen.
  3. Der beste Kaffee: Zu Zwecken des Knieschonens habe ich eine morgendliche Schwimm-Aktion im Grugabad gestartet, nachdem nun endlich die Freibadsaison eröffnet wurde (Studis bezahlen übrigens nur 1,60 Euro pro Besuch, hier die Öffnungszeiten). Dort stand ich nach meinen absolvierten Bahnen um 7:15 Uhr angenehm erschöpft am Beckenrand, habe meine Nase in die Sonne gehalten und auf Kosten der Stadt Essen einen Kaffee getrunken. Sehr empfehlenswert.

Hiermit übergebe ich den Staffelstab an meinen Laufpartner Philipp. Trotz meiner persönlichen Enttäuschung freue ich mich auf das VivaWest-Event und werde alle Studis anfeuern, die an den Start gehen! Habt Ihr`s schon gehört? Es gibt für alle UDE-Läufer eine Sonderauswertung und zusätzliche Preise zu gewinnen. Der Hochschulsport und das Studierendenwerk Essen-Duisburg haben dafür ein paar Gewinne locker gemacht.

Svenja

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