Mein Halbmarathon-Tagebuch: Der Tag des Laufes

Am gestrigen Morgen gingen im schönen Ruhrgebiet über 8.000 Läufer und Läuferinnen in vier Disziplinen an den Start. Auch für die zahlreichen Zuschauer war das ein ganz besonderer Vormittag:

Der Tag des Laufes. Oder sollten wir ihn eher den Tag der Abrechnung nennen? Gestern war es endlich so weit. Das Wetter war mit knapp 20 Grad, leichten Wolken aber sonnigen Abschnitten im Grunde wie geschaffen für einen ausgiebigen Lauf – für 10 Kilometer, die Staffel, den Halbmarathon und den Marathon.

6:00 Uhr: Aufstehen. An einem Sonntagmorgen aufzustehen, wenn Gleichaltrige gerade aus der Disco kommen, ist immer wieder ein gleichermaßen erhebendes wie verstörendes Gefühl. Man fühlt sich unheimlich vernünftig und fragt sich aber, was man falsch gemacht hat, während die erste Banane des Tages verschmaust wird.

7:00 Uhr: Aufbruch. Zwar musste lediglich eine 20 minütigunnamed5en Fahrt bis zum Start- und Zielpunkt des VivaWest-Marathons in Gelsenkirchen absolviert werden, doch ist man im Angesicht eines solchen Ereignisses in einer fremden Stadt doch eher dazu geneigt, mal ein halbes Stündchen länger einzuplanen. Auf der Fahrt muss dann die nächste Banane dran glauben und es wird immer realer: Philipp muss gleich 21 Kilometer laufen. Das erste Mal. Denn mangels Zeit war die längste Distanz für ihn bisher der 14 Kilometer lange Lauf um den Baldeneysee vor sechs Tagen. Es wird also spannend.

7:40 Uhr: Vorbereitung. Der elektronische Chip zum Messen von Distanz und Zeit muss ebenso angebracht werden wie das Schild mit Vorname und Laufnummer. Übermüdet und auch ein wenig aufgeregt wrd dann in Richtung des Startpunktes aufgebrochen. Wir begegnen schon auf dem kurzen Weg vielen vielen Menschen – ob jung oder alt, dick oder dünn – sie alle wuseln in Sportklamotten um uns herum und es liegt Vorfreude in der Luft. Besonders die Kennzeichnung eines jeden mit Vornamen erheitert uns („Der da vorne sieht aber wirklich aus wie ein Ferdinand,“), während wir uns zur blauen Starterbox des Halbmarathons begeben. Irgendwie ist die Atmosphäre wahnsinnig locker und freundschaftlich, obwohl wir im Grunde niemanden dort kennen.

unnamed48:50 Uhr: Puuuuuh. In 10 Minuten startet die erste Gruppe der „Halbmarathonis“. Die Szenen, die wir beobachten können, reichen von Müttern und Vätern, die noch einmal ihre Liebsten herzen über Senioren, die für den optimalen Blick auf das Startfeld seelenruhig den Rollator des Partners positionieren bis hin zu Gruppen aus Freunden oder Arbeitskolleg/innnen, die noch ein letztes „Vorher“-Selfie schießen. Kinder werden über Zäune gereicht, Fremde umarmen sich und sprechen sich Mut und Kraft zu. Man steht Schulter an Schulter mit Irgendwem und man fühlt sich wohl. Die Stimmung ist ausgelassen, die Musik laut.

9:00 Uhr: Startschuss. Die erste Gruppe läuft los. Konfettikanonen explodieren, die Läufer/innen setzen sich in Bewegung.

9:05 Uhr: Go. Jetzt darf auch Philipps Gruppe, in neuerliche Konfettischwaden gehüllt, loslaufen. Ein letztes Winken und weg ist er. Nachdem peu á peu alle Laufgruppen unnamed6gestartet sind, ist wieder eine relative Ruhe eingekehrt. Jetzt heißt es Warten und aus der Ferne mitfiebern. Die ersten Zuschauer/innen sammeln sich schon am Zieleinlauf, wo in kurzer Zeit bereits die ersten Teilnehmer/innen des 10-Kilometer-Laufes eintreffen. Konfetti und Jubel. Unter den Wartenden wird sich ausgetauscht, als tränke man Kaffee mit alten Bekannten. Die Sonne scheint und die Zeit vergeht wie im Fluge.

11:00 Uhr: Zielgerade. Nachdem die ersten Halbmarathon-Läufer/innen mit einer schier unmenschlichen Zeit von unter 1:30h im Ziel angekommen sind – Respekt – positioniere ich mich nun zwei Stunden nach dem Start so in der Menge, dass ich Philipps Einlauf nicht  verpasse. Und da kommt er auch schon, sehr zerzaust und erledigt, aber auch sehr glücklich und stolz.
Mensch, 2:04h. Auch ich bin stolz und freue mich mit ihm. Alle Läufer und Läuferinnen werden herzlich in Empfang genommen und erst einmal aufgepäppelt. Man kann die Erschöpfung aber auch die Zufriedenheit im Zieleinlauf förmlich greifen.

„Zwischen Kilometer 14 und 17 habe ich wirklich kämpfen müssen, aber als dann Zuschauer von der Seite auf einmal „Komm Philipp, weiter! Es ist nicht mehr weit.“ gerufen haben, hat mir das noch einmal Energie für den Rest der Strecke gegeben.“ – Philipp, 25

Philipps Tipps für vor dem Lauf:

  • Ruhephase. Mindestens ein bis zwei Tage vor dem Lauf auf weiteres Training verzichten. So riskiert man keine Last-Minute-Verletzung und ist ausgeruht.
  • Bananen und Wasser. Man glaubt ja gar nicht, wie viel Flüssigkeit und Energie so ein Lauf dem Körper raubt – also ist das Versorgen mit ausreichend Energie kurz vor dem Start unumgänglich.

Für währenddessen:

  • Runtastic-App: Wenn auch nicht zu einhundert unnamed3Prozent präzise, hat sie geholfen, ein gleichmäßiges Lauftempo einzuhalten.
  • Versorgungsstationen nutzen. Auch wenn man keinen Hunger hat, so eine Banane o.ä. zwischendurch gibt Energie und Wasser oder Cola für den Flüssigkeits- und Zuckerhaushalt wirken echte Wunder.

Für danach:

  • Weiter bewegen. Auch wenn alles weh tut, Stillstand ist für die Muskeln jetzt nicht optimal. Wärme und leichte Bewegung helfen.
  • Viel viel viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Und Unmengen an Pasta essen. Das hat mir sehr geholfen.

„Und ich habe zwischendurch echt gedacht, dass ich besser umdrehen und nach Hause laufen sollte. Jetzt habe ich sogar meine Bestzeit aus den Trainings geknackt.“ – Uwe, 44

„Ich spüre zwar meine Beine nicht mehr, aber irgendwie habe ich mich selten besser gefühlt. Nächstes Jahr wieder!“ – Maraike, 20

Insgesamt war es ein tolles Event. Die Organisation hat gestimmt. Die Stimmung war super und die Teilnehmer/innen konnten, mit Medaille und Siegerfoto in den zitternden Händen, glücklich und zufrieden heimkehren und endlich die Beine hochlegen.

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Svenja

 

 

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